Sprachförderung

Sprachliche Bildung in der AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse alltagsintegriert, systematisch und individuell

Die sprachliche Bildung in der AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse trägt der besonderen Bedeutung der Sprachkompetenz als Schlüsselqualifikation für Bildung gemeinhin Rechnung. Sprachförderung wird als Förderung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit in der deutschen Sprache verstanden, mit dem Ziel, dass die die Kindertagesstätte besuchenden Kinder, und zwar alle Kinder, dem Schulunterricht von Anfang an folgen können und so an den Bildungsprozessen in der Schule vom ersten Tag an teilhaben können.

Die so verstandene Sprachförderung arbeitet nach Prinzipien und Methoden, die ihre Begründung in der wissenschaftlichen Erforschung der Hirnentwicklung, von Lernprozessen und deren Einflussfaktoren sowie der Evaluation von gängigen Sprachförderprogrammen haben. Die Prinzipien werden im Folgenden erläutert.

Verständnis von Sprache/kindlichem Sprachhandeln

Sprache bzw. kindliches Sprachhandeln wird nicht nur auf die sprachliche Struktur, also die Aussprache, die Sprachmelodie, den Wortschatz und die grammatischen Fähigkeiten reduziert. Auch der sprachlich-kognitive Aspekt, d.h. die sprachliche Darstellung von z.B. Ursache-Wirkungszusammenhängen oder das Sich-in-andere-Personen-Hineindenken-Können sowie der sozial-kommunikative Aspekt, das Erfassen unterschiedlicher Perspektiven beim Erzählen, das Zuhören, das Sich-Abstimmen-mit-Anderen, zählen zum Verständnis von Sprache.
Darüber hinaus sind auch nonverbale und sprachbegleitende Ausdrucksmöglichkeiten wie die Stimme, die Körpersprache mit Mimik und Gestik in das Verständnis von Sprache einbezogen, da diese sehr stark die kindlichen Äußerungen begleiten, ja sogar ersetzen können.

Sehr früh einsetzende Förderung

Das Wissen um die Entwicklung von Sprache, die Einflussfaktoren der Sprachentwicklung und die Bedeutung sehr früh einsetzender sprachlicher Förderung für die kindliche Entwicklung hat in der Sprachförderung der AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse dazu geführt, dass gezielte sprachliche Förderung nicht erst dann einsetzt, wenn schon ein Defizit in der Sprachentwicklung festgestellt wurde, sondern dass die Kinder, und zwar alle Kinder, vom ersten Tag an in der Tageseinrichtung gezielt sprachlich gefördert werden.
Auch die entscheidende Rolle, die die Eltern im Sprachlernprozess ihrer Kinder inne haben, wird stärker als bisher in die Arbeit mit einbezogen. So werden die Eltern speziell über die in der Kindertagesstätte angewandte Sprachförderung detailliert informiert und über ihre eigenen Möglichkeiten der Einflussnahme aufgeklärt sowie zur häuslichen Unterstützung ihrer Kinder angeleitet.

Sprachentwicklung als individueller Prozess

Der Sprachlernprozess von Kindern ist, besonders in den ersten drei Lebensjahren, sehr unterschiedlich und individuell. Auch wenn sich bei allen Kindern sogenannte „Meilensteine“ bzw. eine mehr oder weniger feste Abfolge von Etappen im Spracherwerb beobachten lassen, ist es doch von Kind zu Kind verschieden, wann diese „Meilensteine“ erreicht sind und wie sich die Fortschritte im sprachlichen Verhalten zeigen. Gleiches gilt für die Strategien, die Kinder beim Sprache Lernen anwenden.
Unterschiedlich ausgeprägt nutzen sie das intensive Beobachten und Zuhören, das Experimentieren mit Stimme und Lauten, nonverbale und verbalen Ausdrucksmittel, häufiges Wiederholen und Imitieren der Bezugspersonen, kreatives Variieren und Ausprobieren und entdecken sprachliche Regeln und wenden diese unermüdlich an.
Das Wissen um diese Unterschiede im Entwicklungsprozess kindlichen Spracherwerbs bildet für unsere Erzieher/-innen die Grundlage für die Einordnung von Kindersprache und ist Ansatzpunkt für die Gestaltung von sprachanregenden Angeboten und Situationen im pädagogischen Alltag.

Mehrsprachigkeit

Beim Eintritt in die Kindertagesstätte hören sich Kinder, die mit der deutschen Sprache noch nicht sehr vertraut sind, zunächst einmal in die neue Sprachmelodie ein, bevor sie beginnen, mit grammatischen Strukturen umzugehen. Um diesen Kindern das Gefühl zu geben, dass sie verstanden werden und etwas bewirken können, eine wesentliche Voraussetzung für den Erwerb von Sprache, richten unsere ErzieherInnen die Angebots- und Aktivitätsgestaltung so aus, dass die Kinder auch ohne hinreichende Sprachkenntnisse die Möglichkeit haben, sich – auch nonverbal – am Geschehen zu beteiligen.

So werden besonders Bewegungsangebote eingesetzt. Hier sind die Kinder körperlich gefordert und haben Gelegenheit zu zeigen, was sie schon alles können. Wo z.B. verglichen wird, wer am höchsten geklettert oder am weitesten gesprungen ist, kommt dann Sprache fast von allein ins Spiel. Auch mit dem gezielten Einsatz von Lautspielen, Liedern und Versen werden diese Kinder unterstützt, sich in die neue Sprachmelodie hinein zu hören.

Mit Hilfe von zweisprachigen Bilderbüchern und mehrsprachigen Aktivitäten wie dem gemeinsamen Aufsagen von Kinderversen und Singen von Liedern in verschiedenen Sprachen ermöglichen die ErzieherInnen mehrsprachigen Kindern die wichtige Erfahrung, dass ihre Familiensprache(n) anerkannt und wertgeschätzt wird (werden).

Förderung aller Kinder nach ihren individuellen Fähigkeiten

Nicht nur die Kinder, denen z.B. mit dem Kindersprachscreening KISS oder dem Dortmunder Entwicklungsscreening DESK ein zusätzlicher Sprachförderbedarf bescheinigt wurde, erfahren eine gezielte Sprachförderung, sondern alle Kinder werden vom ersten Tag des Aufenthalts in der Kindertagesstätte gefördert.
Dabei tragen unsere ErzieherInnen den individuell unterschiedlichen Sprachentwicklungsständen, den von den Kindern bevorzugten Aneignungsprozessen von Sprache und den individuellen Kapazitäten der Kinder mittels einer Sprachförderung Rechnung, die die Kinder da abholt, wo sie gerade stehen. Hier ist die Arbeit in einer größeren Gruppe, wie dem Morgenkreis genauso intendiert wie Einzelarbeit oder Aktivitäten in Kleingruppen wie Arbeitsgemeinschaften sowie Kombinationen (Erarbeiten zunächst in Kleingruppen und Übertragung auf größere Gruppierungen bzw. Vertiefung eines Themas in auf die Großgruppe folgenden Kleingruppen) dieser Methoden.

Alltagsintegrierte Sprachbildung

Sprachförderung im Kindergarten sollte in den Alltag integriert sein und sich an alle Kinder richten. Alltagsintegrierte und zugleich systematische sprachliche Bildungsarbeit ist somit auch kein isoliertes Zusatzangebot, kein extra Programmpunkt in der Wochenplanung, sondern sie ist in den Kindergartenalltag eingebunden. Unsere ErzieherInnen nehmen dazu die unterschiedlichen Situationen des Kita-Alltags im Hinblick auf deren Möglichkeiten sprachlicher Förderung in den Blick.

Im Alltag der Tageseinrichtung finden sich drei verschiedene Situationstypen:

a) die Standardsituation:
Sie ist durch notwendige Abläufe (z.B. Mahlzeiten), wiederkehrende Routinen (z.B. Körperpflege) und besondere Anlässe (z.B. Geburtstagsfeiern) gekennzeichnet.
Die sprachfördernden Möglichkeiten dieser Standardsituationen bestehen darin, dass bestimmte sprachliche Strukturen und Themen täglich wiederkehrend von den Kindern erfahren und erprobt werden können. Beim Zähne putzen z.B. kommentiert die Erzieherin den Ablauf täglich mit dem gleichen Satz wie z.B. „Jetzt hol´ ich deine Zahnbürste“.

b) durch die Fachkraft angeleitete Spiel- und Lernsituationen (z.B. Bewegungs- und Kreativangebote, Arbeitsgemeinschaften – AG`s) unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen und Erfahrungen der Kinder und deren individuellen Bedürfnisse an sprachlicher Begleitung.

c) Selbstgesteuerte Spiel- und Lernsituationen, in denen die Kinder selbst entscheiden, was sie mit wem tun. Die Spiel- und Handlungsmöglichkeiten der Kinder ergeben sich aus der Gestaltung der Gruppenräume, des Außengeländes und der vorhandenen Materialien. Erfahrungen mit dem Raum innen und außen (z.B. Bewegungserfahrungen auf dem Spielplatz: „ich bin sneller“) oder der Umgang mit Objekten (Bauklötzen, Spieltelefon, Naturmaterial, etc.) werden hier versprachlicht. Die selbstgewählten Spielpartner/-innen sind darüber hinaus bedeutsam für sozial-kommunikative Erfahrungen.

Alltagsintegrierte sprachliche Förderung bedeutet, dass sich die Fachkräfte bewusst machen, welches sprach- und sprechanregende Potenzial die einzelnen Situationen bieten und wie diese aktiv zu gestalten sind. Natürlich ist ausgewiesenes, die Sprachentwicklung förderndes Alltagsmaterial und geeignete Bilderbücher etc. in der Tageseinrichtung grundsätzlich immer greifbar.

Die spezifischen Sprachförderpotenziale der Bildungsbereiche

Kindliche Sprachentwicklung ist kein isolierter Prozess, sondern steht innerhalb der Gesamtpersönlichkeitsentwicklung des Kindes in Wechselwirkung mit anderen Bereichen. Verse, Lieder und Bewegungsspiele sind immer schon Inhalt von pädagogischer Arbeit. Neu in dem vorliegenden pädagogischen Konzept ist jedoch die systematische Herausarbeitung sprachlicher Förderaspekte der einzelnen Bildungsbereiche und der Einsatz dieser für die bewusste Förderung der Kinder.



Musik und SpracheMusik und Sprache sind eng miteinander verbunden. Über Musik hören (Differenzierung, Lokalisierung), Sprechverse (Laute in verschiedenen Wortpositionen), Singen (Phonologie, Anzahl der Silben, Wortbetonungen, Satzmelodie), Rhythmische Spiele (automatisierte (Zahlen-)Reihen, Hörtraining (Wortbetonung, Satzmelodie)), Lieder (Wortschatz, Adjektive, Steigerungen, Satzmuster), Instrumente (Abläufe speichern) können alle Bereiche der Sprachförderung abgedeckt werden.
Mehrsprachigen Kindern ermöglicht die musikalische Betätigung eine nonverbale Ausdrucksweise und Erlebnisse von Eigenaktivität. Dazu erleichtern Lieder und Verse das Erfassen von Klang und Sprechweise der deutschen Sprache.





- Naturwissenschaft, Mathematik und Sprache

Naturwissenschaftliche Aktivität bietet vielfältige Möglichkeiten, mit neuen Wortfeldern und grammatikalischen Formen zu experimentieren. Es müssen Begriffe und Kategorien gebildet werden (Granny Smith/Apfel/Obst), durch genaues Beschreiben wird der Wortschatz erweitert, durch Zählen Singular und Plural eingeübt, durch das Fragen und Begründen werden Haupt- und Nebensatzverbindungen hergestellt und eingeübt, durch genaues Beschreiben verschiedene Zeitformen benannt.
Mehrsprachige Kinder erleben u.U. Bestätigungen im kognitiven Bereich. Ebenso die Wiederholung und ein gezieltes Angebot grammatikalischer Strukturen.





- Bewegung und Sprache

Der Zusammenhang von motorischer Entwicklung und Sprachentwicklung ist nachgewiesen und der Bildungsbereich Bewegung bietet vielfältige Möglichkeiten der sprachlichen Förderung: Mit Sing- und Bewegungsspielen wird die Wort und Satzbetonung geübt, die Orientierung im Raum (räumliche Begriffe wie „rückwärts“, „unter“…), Bewegungsverben, Adjektive, Gegensätze, der Wortschatz (Wortfelder, z.B. Körperteile und Funktionen, Geräte, Materialien (Fachsprache wie z.B. „Sprossenwand“)) erweitert, beim Wettbewerb werden Zahlbegriffe geübt, Schritte gezählt, gemessen, Steigerungen in Worte gefasst, grammatische Fälle wie z.B. „vor den Schrank“ gebildet. Gruppenbewegungsspiele ermöglichen die Bildung von Aktiv und Passiv, Sing-/Bewegungsspiele das Erlernen fester Satzmuster wie z.B. „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?“, Anweisungen verstehen, Absprachen treffen, mit Schrift (Ergebnisse festhalten) in Berührung kommen. Bewegung fördert zudem kooperatives Handeln und damit Kommunikation: beim Planen von Bewegungslandschaften spricht man sich ab, werden Bewegungsideen umgesetzt, der Fachwortschatz geklärt, wird Hilfestellung geleistet und gemeinsam gehandelt.
Mehrsprachige Kinder können sich mit ihren körperlichen Fähigkeiten kompetent einbringen und entdecken und nutzen Sprechanlässe. Sie erleben einen differenzierten Wortschatz in Verbindung mit ihren körperlichen Fähigkeiten.





- Medien und Sprache

Aktive Medienarbeit wie das Filmen einer Szene fördert den Dialog und fordert dazu auf, mit Sprache zu planen. Sie bringt Kinder zum Erzählen, bereichert ihre Vorstellungen und differenziert ihren Wortschatz. Durch Sprachaufnahmen werden die phonologische Bewusstheit (Reime, Paare), Worte (Nomen, Verben, Adjektive…), Grammatik (Singular, Plural, Partizip-Bildung (springt – gesprungen), Erzählen (Planung einer Geschichte), Mimik und Gestik bewusst gemacht und trainiert.
Mehrsprachige Kinder können sich auch mit ihren Erstsprachen in Szene setzen. Sie erleben sich als kompetent und gehen spielerisch mit Sprache und Ausdruck um.

Dialogische Grundhaltung der pädagogischen Fachkräfte

Sprache wird im Dialog erworben, ebenso werden sprachliche Fähigkeiten im Dialog des Kindes ko-konstruktiv mit den Bezugspersonen entwickelt. Für die kindliche Sprachentwicklung ist ein Dialogverhalten förderlich, das zum einen erweiternd und zum anderen feinfühlig ist. Damit ist gemeint, dass die pädagogische Fachkraft dem Interesse des Kindes folgt und ihre Aufmerksamkeit gemeinsam mit dem Kind auf das richtet, was es gerade fasziniert und interessiert. Feinfühlige Dialoghaltung stellt zudem einen wechselseitigen Austausch her, der dem Kind Raum und Zeit gibt, Sprache eigenaktiv anzuwenden. Es geht also nicht darum, einem Kind soviel Sprache wie möglich zu liefern, sondern Kindern Gelegenheiten zu bieten, sich sprachlich und nonverbal und ohne Angst, etwas falsch zu machen, in den Dialog einzuschalten.

Sprachförderung in allen Altersstufen und auf allen Kompetenzstufen – keine

ausschließliche Defizitorientierung

Alltagsintegrierte systematische Sprachförderung in der AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse beginnt mit dem Eintritt der Kinder in die Kindertagesstätte. Schon in ganz jungem Alter findet gezielte Sprachförderung statt. Besonders geeignet sind hier Methoden wie das Anschauen von Bilderbüchern und die Anwendung von Kinderversen und –liedern.

Die Förderung in unserer Kindertagesstätte ist zudem nicht mehr rein defizitorientiert. Auch Kinder ohne diagnostizierte sprachliche Defizite oder sogar mit besonders weit entwickelter sprachlicher Kompetenz werden entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert. In der Förderung der Kinder mit einem hohen Niveau sprachlicher Kompetenz findet z.B. das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“ Anwendung.

„Deutsch für den Schulstart“ DfdS

Als additives Form der Sprachförderung wird in der AWO Kindertagesstätte auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Stadt Viernheim und allen Viernheimer Kindertagesstätten für die 4-5 jährigen Kinder bei Bedarf das Programm „Deutsch für den Schulstart“ eingesetzt. Auch in diesen additiv inszenierten Sprachförderangeboten achten die ErzieherInnen darauf, dass die Kinder mehr Sprachanteile im Förderangebot haben als die Sprachförderkraft. Sprachförderung ist dabei nicht schwerpunktmäßig Wortschatzarbeit, die sich auf die Aneignung von Benennungen (Nomen) konzentriert, sondern sie regt die Kinder an, Sprache möglichst komplex zu produzieren, d.h, sie fordert Kinder auf zu erzählen, zu beschreiben, miteinander bzw. mit der Erzieherin zu kommunizieren. Die pädagogische Fachkraft achtet darauf, dass sie auch im Umgang mit Kindern, deren Kompetenzen in der aktiven Sprachproduktion noch begrenzt sind, ihre Ansprache an das Kind nicht „vereinfacht“, sondern mit komplexen Äußerungen sowohl modellhaft Sprache produziert als auch den Kindern eine größere Chance bietet, das Gesagte zu verstehen, weil es in einem umfassenden Kontext angeboten wird.

Die Förderung der phonologischen Bewusstheit – das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“

Die Phonemkompetenz, auch Phonologische Bewußtheit genannt, zählt zu den Vorläufer-Fähigkeiten für spätere Lese- und Rechtschreibkompetenz. Ist die Phonemkompetenz bei Eintritt in die Schule gut entwickelt, fällt das Lesen- und Schreibenlernen leichter und der Entwicklung von Lese- und Rechtschreibschwäche kann somit – in gewissem Maße – vorgebeugt werden. Die Phonemkompetenz entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit. Sie kann in der Kindergartenzeit noch recht gut beeinflusst werden, in der Grundschulzeit ist dies immer weniger gegeben. Phonologische Bewusstheit wird im pädagogischen Alltag durch die Beschäftigung mit und das Aufsagen von Kinderversen, -reimen und –gedichten und das Singen von Kinderliedern gefördert. Um Kinder mit Schwächen in der Phonologischen Bewusstheit gezielt zu fördern, wird in der AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse im letzten Kindergartenjahr das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“ durchgeführt. Dieses Programm hat sich als sehr wirksam herausgestellt. Es wird in seiner vollständigen Form mit allen Kindern im letzten Kindergartenjahr durchgeführt. Die Übungen sind leicht in den Alltag einzubauen und bilden dadurch keine isolierten Trainingseinheiten. Kinder mit altersangemessener Sprachkompetenz erhalten hier zusätzliche Übung.

Beobachtung und Dokumentation als Grundvoraussetzung individueller sprachlicher Förderung

Fachkräfte müssen, um die Kinder individuell fördern zu können, deren sprachlichen Erwerbsprozess und jeweiligen Sprachstand fundiert einschätzen können. Und sie müssen über Kenntnisse verfügen, die es ihnen ermöglichen, die sprachliche Entwicklung mit der kindlichen Handlungs- und Spielkompetenz sowie mit der sozialkommunikativen und kognitiven Entwicklung zu vernetzen.
Neben der Kindersprachscreening KISS, sowie dem Dortmunder Entwicklungsscreening DESK, wird seit Februar 2017 zur differenzierten Erfassung des sprachlichen Entwicklungsstandes der Kinder die begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertagesstätten BaSiK von der Erziehungswissenschaftlerin Renate Zimmer eingesetzt.
Darüber hinaus wird zur Selbstevaluation der Mitarbeiter seit Februar 2017 das vom Deutschen Jugendinstitut DJI entwickelte Instrument LiSKit eingesetzt.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Gerade im Bereich der sprachlichen Entwicklung der Kinder ist die Kooperation von Kindertagesstätte und Eltern existentiell. Sprache entwickelt sich schon lange vor Eintritt des Kindes in die Kindertagesstätte und der Einfluss und damit auch die Verantwortung der Eltern kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Alle Eltern erhalten seitens der städtischen Tageseinrichtungen über die Einladung zu Elternveranstaltungen die Möglichkeit, sich über die Zusammenhänge von sprachlicher Entwicklung und ihren Mitwirkungsmöglichkeiten und –pflichten im Sprachentwicklungsprozeß ihrer Kinder zu informieren.
Die Eltern der Kinder, denen mit Testverfahren sprachliche Defizite bescheinigt wurden, werden von der Kindertagesstätte speziell eingeladen. Hier wird das Ergebnis des Sprachtests noch einmal für die Eltern verständlich interpretiert und die in der Kindertagesstätte praktizierte sprachliche Förderung dargestellt und begreifbar bzw. anschaulich gemacht. Den Eltern werden dazu die in der Einrichtung verwandten Materialien und Programme vorgestellt und sie erhalten Informationen zur sprachlichen Entwicklung von Kindern und zu unbedingt notwendiger elterlicher Unterstützung der Arbeit der Kindertagesstätte. Hierzu erhalten Sie auch Material- und Bücherlisten.





Zusammenarbeit mit der Grundschule

In den Tandemtreffen Kindergarten/Grundschule sprechen Grundschullehrer, -rektoren, Leitungen der Kindertagesstätten ihre Vorgehensweisen ab. Die Kindertagesstätten stellen ihre Sprachförderkonzepte dar, die Grundschulen ihre Methoden und Programme. Intendiert ist ein Arbeiten Hand in Hand. Die Arbeit der Kindertagesstätten und der Grundschulen mit dem Programm „Deutsch für den Schulstart“ bauen aufeinander auf.
Das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“ ist in den Grundschulen bekannt und akzeptiert und entspricht den in den Grundschulen angewandten Methoden zur Vorbereitung des Schriftspracherwerbs.





An den Realitäten der Tageseinrichtungen orientiert

Das hier beschriebene Konzept ist an den aktuellen Realitäten der Arbeit in der Kindertagesstätte - der Anzahl der sprachlich förderbedürftigen Kinder, der Gruppengröße und personellen Ausstattung, den Räumlichkeiten und der materiellen Ausstattung sowie den Erfahrungen mit dem bereits vor Einführung der alltagsintegrierten Sprachförderung verwandten Sprachförderprogramm – Deutsch für den Schulstart - orientiert. Die Fortbildung der ErzieherInnen trägt den inhaltlichen Anforderungen des Konzepts Rechnung. So nahm das gesamte Mitarbeiterteam von Oktober 2016 bis Februar 2017an einer Fortbildung zum Heidelberger Interaktionstraining durch das Zentrum Entwicklung und Lernen in Heidelberg teil. Neben der alltagsintegrierten Sprachförderung war dabei auch Mehrsprachigkeit ein zentrales Thema.

An aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Untersuchungen und Konzepten orientiert

Die beschriebene alltagsintegrierte, systematische Sprachförderung, die auch die Eltern besonders im Blick hat, orientiert sich sowohl an Studien und Konzepten, die vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) herausgegeben wurden und werden. Jeweils aktuelle Evaluationsstudien und übergreifende Aktionen sind ebenfalls im Blick. So hat auch die Initiative der Bundesregierung „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“, an der die AWO Kindertagesstätte Kirschenstrasse seit Januar 2017 teilnimmt, als Grundlage das vom DJI ausgearbeitete Konzept einer alltagsintegrierten systematischen Sprachförderung.